e-Learning und höhere Bildung
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Die Tradition der modernen europäischen Universität der vergangenen 500 Jahre steht im 21. Jahrhundert ihrer größten Herausforderung gegenüber. Während der Aufklärung und im Geiste Kants lag der Schwerpunkt auf der Logik der menschlichen Vernunft. Die Humboldtsche Tradition des 19. Jahrhunderts förderte Kultur und Zivilisation, die Idee des ganzheitlichen Menschen als oberstes Ziel der höheren Bildung.
Dieser Gedanke wurde im 20. Jahrhundert von der Idee der „centres of excellence“, der Schwerpunktforschung, einem hoch spezialisierten, jedoch eher engen Wissensbegriff abgelöst. Die Vorstellung von Zivilisation degenerierte zur Technobürokratie. Dieser Trend verfestigte sich durch das Marktmodell der Universität, welches die finanziell einträglichen Felder menschlicher Erkundung fördert. Zudem ist eine Förderung der Corporate Universities zu beobachten, insbesondere wenn dort neue e-Learning-Modelle bzw. Mobiles Lernen Anwendung finden.
Nun besteht Bedarf an einer gemeinschaftlichen virtuellen Bildung in Europa und einem gemeinschaftlichen europäischen Graduierungssystem. Aufgabe eines europäischen Gateway-Services für virtuelle Universitäten wäre, ein Portal zu schaffen für netzbasierte bzw. netzgestützte Kurse und Programme, Informationsrecherche, Zusammenarbeit und Austausch, gemeinsame Grundsätze, positive Identifikation und Gütesiegel. Zu den Qualitätsfaktoren zählen Transparenz, Benchmarking, eine Metadata-Struktur, User- und Peer-Reviews, gemeinsame Modelle und Erfolgsmethoden, eine gemeinsame System- und Tool-Beschreibung sowie Benutzererfahrung.
Virtuelle Bildung in Europa hat bislang hauptsächlich auf nationaler Ebene stattgefunden, noch existiert keine nennenswerte grenzüberschreitende Zusammenarbeit. In vielen Ländern sind nationale Zusammenschlüsse mit zugehörigen Centres of Expertise entstanden (Frankreich, Niederlande, Finnland usw.); daneben existieren einzelne e-Universitäten und projektbezogene, nationale Initiativen. Zudem entstehen Public-Private-Partnerships, die ihrerseits neue Lieferanten für firmen- und medienbezogene Inhalte sind. Begriffe wie Qualitätssicherung und Akkreditierung sowie internationale, strategische Verbindungen sind viel diskutierte Themen.
In vergangenen Jahren wurden in Finnland bei der Einführung von e-learning in das höhere Bildungssystem unten aufgeführten Fortschritte gemacht:
- Veränderte Verwaltung: Früher gab die Universitätsverwaltung den Abteilungen und Fakultäten Anweisungen, e-Learning verstärkt in ihrer Arbeit einzusetzen. Dazu mussten Fakultätsmitglieder fortgebildet werden. Inzwischen verfügt man über Strategic Services, die die Universitäten auf Abteilungsebene involvieren. Dieser Middle-Out-Ansatz bezieht die operativen Abteilungs- und Fakultätsleiter mit ein.
- Der Trend geht zu einer Förderung der Zusammenarbeit zwischen den besten Forschungs- und Lehruniversitäten, um so allen Material von hoher Qualität zur Verfügung stellen zu können. Ein europäisches universitäres Lernportal befindet sich im Aufbau.
- Gemeinsame Support-Strukturen und ein gemeinsames Kreditsystem, die Mobilität und operative Infrastrukturen sichern sollen, werden von ausgewählten europäischen Universitäten entwickelt. Somit könnten Studenten aller teilnehmenden Universitäten an einer forschungsbasierten Bildung beteiligt werden. Daneben werden Suchmaschinen für die jeweiligen Kurse entwickelt.
Dieser Artikel wurde im Original unter „e-Learning Conference 2005: Towards a Learning Society 2005”.
A full text of this article is available in PDF format at http://www.elearningeuropa.info/files/media/media11006.pdf
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