Netzsicherheit und Bildung

eLearning Papers Nr. 28

Die Geschwindigkeit, mit der Kinder und Jugendliche Zugang zu webbasierten, konvergenten, mobilen und vernetzten Medien bekommen, ist beispiellos in der Geschichte der technologischen Innovation. Die Forschung im Bereich der Netzsicherheit hat zwei Schwerpunkte: den Schutz strategisch und wirtschaftlich sensibler Informationen und den Schutz der Menschen, und zwar vor allem der jungen Menschen. Diese Sonderausgabe befasst sich mit dem letzten dieser beiden sich überlappenden Anliegen.

 

Den Schwerpunkt auf die Netzsicherheit zu legen, ist zeitgerecht, da es mit der stärker werdenden öffentlichen Debatte um die Sicherheit vor allem jener jungen Menschen zusammenfällt, die sich im zunehmenden Maße im Cyberspace oder in virtuellen Welten ausleben. Das europäische Programm „Sicheres Internet“ hat sich um die diesbezügliche Sensibilisierung bemüht, illegale Inhalte bekämpft, die Zivilgesellschaft in die Problematik der Netzsicherheit für Kinder involviert und eine solide Datenbasis mit Informationen über die Nutzung neuer Technologien durch junge Menschen zusammengetragen. Darüber hinaus sind in inzwischen 30 europäischen Ländern Safer-Internet-Zentren eingerichtet worden, die ein Sensibilisierungszentrum und eine Notrufstelle sowie in den meisten Ländern eine Hotline zur Meldung illegaler Inhalte umfassen. Einige Safer-Internet-Zentren berichten in der vorliegenden Ausgabe der eLearning Papers von ihren eigenen Erfahrungen mit der Förderung der Netzsicherheit durch Bildung.

 

Die digitale Alphabetisierung und digitale Kompetenzen sind von wesentlicher Bedeutung für die sichere Nutzung des Internets. Junge Menschen benötigen gewisse Kompetenzen, um sich sicher im Web bewegen zu können. Zu diesen Kompetenzen gehören die Fähigkeit, die neuen Medien kritisch zu nutzen (einschließlich der Fähigkeit, Quellen zu bewerten); das Verständnis der mit der Selbstpräsentation im Internet verbundenen Problematik und die Entwicklung eines verantwortlichen und ethischen Verhaltens im Internet.

 

Während Einigkeit darüber besteht, dass diese Risiken ein dringendes Problem darstellen, kann die Aufnahme der Netzsicherheit in den Lehrplan bisher bestenfalls als neue Praxis bezeichnet werden. Der Risikocharakter an sich muss noch eingehender untersucht und besser verstanden zu werden, und es sind Fragen zu beantworten wie: Welche Risiken birgt die Arbeit mit digitalen Medien? Sind die Online-Risiken den Offline-Risiken gleichzustellen? Wo gibt es Potenzial zur Reduzierung des Schadens für junge Menschen? Stehen die Kompetenzen zum effektiven Schutz von Lernenden zu Hause, in der Schule oder in der Gesellschaft zur Verfügung?

 

Ein Risiko kann als eine Reihe zusammenhängender Komponenten betrachtet werden: Gefahr, Risiko und Schaden. Die Nutzung sozialer Netzwerke dazu, Kinder zum Sex zu überreden (Gefahr), hat eine relativ geringe Wahrscheinlichkeit (Risiko), richtet bei einem jungen Kind aber potenziell großen Schaden an. Die Nutzung illegaler Musik-Download-Sites (Gefahr) hat unter Jugendlichen eine hohe Wahrscheinlichkeit, der potenzielle Schaden jedoch ist, obwohl real, nicht lebensverändernd, solange die Federation Against Software Theft (FAST) keinen Erfolg mit der strafrechtlichen Verfolgung hat. In Anbetracht der zahlreichen Variablen, die die Risiken betreffen, benötigt der Sektor Best-Praktice-Szenarien und eingehende Diskussionen darüber, wie Studierende dazu angeregt werden können, sich für eine sichere Nutzung des Internets zu engagieren.

 

Ein pädagogischer Ansatz zur Netzsicherheit impliziert die Steigerung des Bewusstseins der Studierenden für die Risiken und Konsequenzen ihrer Online-Aktivitäten. Er sollte eine Plattform liefern, die die Studierenden in die Lage versetzt, reale Risiken, wie Cyber-Mobbing, Identitätsdiebstahl und sexuelle Belästigung, zu erkennen und zu vermeiden, und ihnen bereits vorhandene Risikopräventionsressourcen, wie die Online-Polizei, vorstellt. Darüber hinaus sollte er aber auch die Rolle anderer verantwortlicher Akteure berücksichtigen, etwa der Eltern und Betreuer, der einschlägigen Körperschaften (wie die Bildungsministerien) oder der „Industrie“ selbst.

 

Auch wenn sich diese Ausgabe zwangsläufig auf die negativen Aspekte der digitalen Technologien und Verhaltensweisen konzentriert, werden die positiven Auswirkungen von Technologie auf das Leben junger wie älterer Lerner keineswegs bestritten. Eine große Umfrage von EU Kids Online (2010) hat gezeigt, dass die zunehmenden Möglichkeiten der Online-Umgebungen zwangsläufig auch höhere Risikostufen mit sich bringen, dass durch eine Beschränkung auf eine Risikoreduzierung aber auch die Chancen für die Kinder stark eingeschränkt werden. Internet-Benutzer mit kritischen Kompetenzen auszustatten, die es ihnen erlauben, fundierte Entscheidungen bezüglich ihrer Online-Aktivitäten zu treffen, ist ein wichtiger pädagogischer Prozess zur Reduzierung von Risiken bei gleichzeitigem Zulassen der Entwicklung und des Experimentierens im Netz.