„In den nächsten drei Jahren werden wir die Bildung von Partnerschaften zwischen 30.000 Schulen über das Internet vorantreiben”
- 0 comments
- 128958 Visits
- Rating






Interview von David Segarra, contents manager des elearningeuropa.info portals
Der EU-Rat hat soeben das eLearning-Programm 2004-2006 gebilligt. Etwa 44 Millionen Euro werden investiert, um Schul-Partnerschaften, die Entwicklung von virtuellen Campi und die Förderung der digitalen Alphabetisierung voranzutreiben.
Maruja Gutiérrez Díaz ist eine der direkten Verantwortlichen für die Ausarbeitung und Entwicklung des eLearning-Programms 2004-2006. In diesem Interview stellt die Leiterin der Medienabteilung der Generaldirektion Bildung und Kultur der Europäischen Kommission die vorgesehenen Aktionen und ihre voraussehbaren Auswirkungen vor.
Das eLearning-Programm tritt im Januar nächsten Jahres in Kraft und hat hoffentlich eine Katalysatorwirkung. Wie Maruja Gutiérrez erklärt, „versucht die Europäische Kommission damit, die neuen Technologien in den Bildungsalltag auf allen Ebenen einzuführen; um dieses Ziel zu erreichen, werden wir sehr pragmatisch vorgehen. Das eLearning-Programm wird das Rad nicht neu erfinden, sondern die Ergebnisse aus den bereits durchgeführten Projekten aufgreifen und sie so allen zugänglich machen”.
Was wird die Hauptaktion des eLearning-Programms sein?
Die Partnerschaft zwischen Schulen. Die Europäische Kommission wird fast die Hälfte des Budgets, etwa 7 Millionen Euro jährlich, für diesen Bereich verwenden. Es handelt sich um ein sehr ambitioniertes Projekt. Die Schulpartnerschaft hilft uns, die europäische Dimension bei der Bildung zu stärken. Dort sehen wir ein mal mehr den Wert der neuen Technologien als Austauschelement.
Worin besteht die Schulpartnerschaft?
Es geht darum, die Informations- und Kommunikationstechnologien zu verwenden, eine Zusammenarbeit zwischen Schulen aus unterschiedlichen Ländern aufzubauen. Unser Ziel ist es, dass kein Kind von der Schule abgeht, ohne an einem europäischen Projekt dieser Art teilgenommen zu haben. Zunächst aber werden wir die Bildung von Partnerschaften zwischen 30.000 Schulen in Europa über das Internet bis zum Jahr 2007 vorantreiben.
Wie sieht es mit den sprachlichen Hürden aus?
Aus unserer Erfahrung heraus benutzt man normalerweise eine einzige Mittlersprache, wenn es viele Partner gibt; fast immer ist dies Englisch. Daher hat das Schulpartnerschaftsprogramm als einzige Voraussetzung die Einbindung von zwei Partnern. Auf diese Weise möchten wir erreichen, dass eine möglichst große Anzahl an Sprachen benutzt wird, was im Einklang mit den Anstrengungen der Europäischen Kommission steht, die sprachliche und kulturelle Vielfalt zu fördern.
Wie werden die Maßnahmen konkret aussehen, die als Anreiz für Partnerschaften vorgesehen sind?
Da es uns nicht machbar erscheint, die Schulen direkt zu finanzieren, weil die Anzahl der Lehreinrichtungen, die es in Europa gibt, enorm ist, basiert unsere Strategie darauf, den Lehrern eine Reihe von Ressourcen und Instrumenten zur Verfügung zu stellen. Zunächst machen wir eine Zusammenstellung von interessanten Beispielen einer Partnerschaft, die den Dozenten als Inspiration dienen sollen. Außerdem werden wir eine geeignete Beschreibung der Schulsysteme entwickeln, um den Lehrern die Suche nach einer ähnlichen Schule in einem anderen Bildungssystem zu erleichtern. Ebenso bereiten wir ein Partner-Suchwerkzeug vor. All diese Informationen und Partnerschafts-Tools werden über ein Portal verfügbar sein, das wir für das Internet entwickeln.
Wie gedenkt die Europäische Kommission, die Initiative bekannt zu machen und die Teilnahme der Schulen am Programm zu fördern?
Wir werden die europäischen Verbände bitten, diesen Erfahrungen Vorschub zu leisten. Und wir werden an die Kreativität der Lehrer appellieren, damit diese unter Berücksichtigung der Umstände eines jeden Zentrums die Partnerschaften richtig anpacken. Wir glauben, dass sich mit wenigen Mitteln viele, pädagogisch interessante Ergebnisse erreichen lassen.
Wie sieht der Fahrplan für die Entwicklung des Partnerschaftsprogramms aus?
Im Frühjahr 2004 werden wir eine Informationskampagne starten. Wir hoffen, dass alle Schuleinrichtungen bis zum Sommer von dieser Initiative erfahren haben und dass erste Partnerschaften im September 2004 zustande kommen. Wir untersuchen auch die Möglichkeit, ein Netzwerk aus besonders dynamischen und in diesen Themen erfahrenen Pionierlehrern zu bilden, damit diese die restlichen Lehrer unterstützen und animieren.
Das zweite große Thema des eLearning-Programms ist die Entwicklung von virtuellen Universitäts-Campi.
Diesem Thema widmen wir 30% der finanziellen Mittel des Programms mit dem Ziel, der virtuellen Mobilität mithilfe der neuen Technologien Impulse zu geben. Nehmen wir ein einfaches Beispiel: Warum soll ein dänischer Philologie-Student für Französisch über Internet nicht an einer französischen oder belgischen Universität am Unterricht teilnehmen können? Genau deshalb werden wir dabei helfen, dass sich einige Universitäten abstimmen und Übereinkünfte zum Austausch von Studenten treffen, um Pilotkurse online zu entwickeln. Unser Referenzmodell ist das Erasmus-Programm. Diese Fragestellung kann sogar den Begünstigten von Erasmus selbst nützen, die Probleme bekommen können, wenn sie während der Zeit ihres Auslandsaufenthalts den Kontakt zu ihrer Heimatuniversität verlieren. Die IKTs ermöglichen es, diesen Kontakt zur Heimatuniversität und danach die Beziehungen zum Ausland auf einfache Weise aufrechtzuerhalten, so dass die Anstrengung und die Investition, die der Auslandsaufenthalt bedeutet, besser genutzt werden.
Müssen auf diesem Gebiet noch viele Hindernisse aus dem Weg geräumt werden?
Um dies in die Praxis umzusetzen, müssen bestimmte Probleme gelöst werden, und eines davon sind die Studienleistungen. Das Europäische System zur Anerkennung von Studienleistungen (ECTS) berücksichtigt in sehr geringem Umfang die virtuellen Kurse, da noch nicht definiert wurde, wie die Zeit bewertet werden soll, die der Student aufgewendet hat. Es ist auch nicht klar, wie die online erworbenen Kenntnisse bewertet werden sollen. Die virtuellen Prüfungen sind bis jetzt nicht zugelassen. Es bleibt viel zu tun. Deshalb werden wir die Entwicklung von Erfahrungen aus Pilotprojekten unterstützen, die uns dabei helfen, Lösungen zu finden.
Der letzte große Eckpunkt des eLearning-Programms ist die digitale Alphabetisierung.
Das Konzept der digitalen Alphabetisierung wurde im Jahre 2000 auf dem europäischen Gipfel von Lissabon aus der Taufe gehoben, als auf den Mangel an qualifiziertem Personal zur Besetzung von Arbeitsplätzen im Zusammenhang mit den neuen Technologien hingewiesen wurde. Es ist offensichtlich, dass es in diesem Bereich Mängel gibt, aber manchmal wurde dies auf eine sehr vereinfachende Weise analysiert, so als ob es nur darum gehen würde, zu lernen, wie man mit dem Computer und einigen Programmen umgehen muss. Und das Programm ist viel weitreichender.
Jetzt beginnt man zu merken, dass die Schwierigkeit des Einsatzes der IKTs soziale Auswirkungen hat, die mit der Ausübung des Bürgerrechts zusammenhängen.
Genau! Zu einem Zeitpunkt, an dem die Dienstleistungen der öffentlichen Hand über das Netz angeboten oder die Wahlen langsam auf elektronischem Wege abgewickelt werden, gibt es noch viele Leute, die nicht wissen, wie man E-Mails benutzt, oder sich nicht trauen, die Einkommensteuererklärung über das Internet zu machen. Deshalb möchten wir dabei helfen, dass die Verbände, die auf dem Gebiet in der Welt der Bildung tätig sind, eine kritischere Haltung zur Aneignung und zum Verständnis der neuen Technologien einnehmen. Hier ist klar, dass ein Altersfaktor besteht, da für Kinder der Computer etwas Normales ist und zu seiner Benutzung nicht im Handbuch nachgeschlagen werden muss. Es dreht sich eher darum, Erwachsenen, und vor allem den über 40- oder 50-Jährigen, zu helfen.
Welche Handlungen schlagen Sie konkret vor, um die digitale Kultur zu vertiefen?
Wir schlagen sehr einfache Maßnahmen vor. Wir werden die Arbeit der Verbände und der Netzwerke unterstützen, die auf diesem Gebiet tätig sind. Wir wollen zum Beispiel die Forschungsergebnisse zur Mensch-Maschine-Schnittstelle verbreiten, die zahlreiche Informationen zu diesen Fragen bieten. Ebenso werden wir im besonderen die Schulung von Erwachsenen berücksichtigen, die aufgrund ihres Alters noch keinen Zugang zur Benutzung der Technologien gehabt haben.
Es bleibt eine letzte Handlungslinie mit übergreifenden Maßnahmen.
Es geht um das Bewusstsein, die Koordinierung, die Bekanntmachung und den Anschluss. Wir wollen, dass die Informationen verbreitet werden und dass die verschiedenen Akteure die Hilfsmittel kennen. Und ein besonderer Gesichtspunkt, den wir verstärkt im Auge behalten wollen, ist die Interoperabilität. Zur Erschaffung eines für Investitionen günstigen Umfeldes ist es notwendig, über Richtlinien und Standards zu verfügen. Die Firmen müssen sicher sein, dass ein bestimmtes Produkt auf allen Computern oder in allen Ländern funktioniert. Die Richtlinien sollen kleineren und mittelständigen Unternehmen die Sicherheit geben, dass die Anwendungen, die sie entwickeln, auch den Markt durchdringen können. Eines der Themen, bei dem man vorwärts kommen muss, ist zum Beispiel Metadaten, Klassifikations-„Labels”, die es erlauben, nach Material zu suchen. Wir können den Fortschritt auf diesem Gebiet mit kostengünstigen, aber politisch höchst relevanten Maßnahmen vorantreiben.
Die Verbreitung von Informationen ist eine der Hauptaufgaben dieses Portals.
Das Internet ist das Kommunikationsmedium par excellence der Informationsgesellschaft. Deshalb sind wir der Ansicht, dass das Portal elearningeuropa das beste Werkzeug ist, das wir den vielen Menschen zur Verfügung stellen können, die daran interessiert sind, die Bildung zu modernisieren und zu verbessern, damit sie leichteren Zugriff auf Informationen erlangen und ihre Ideen und Erfahrungen erörtern können.
Für weitere Informationen lesen Sie bitte den Artikel: Für die wirksame Integration von Informations und Kommunikationstechnologien (IKT) in die Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung in Europa (2004–2006).
This item has not yet been commented.


