Die neuesten Berichte scheinen eine neue Welt des Lernens anzukündigen, in der die Lerner durch Technologie und Internet miteinander verbunden sind. Der zunehmende Einfluss des World Wide Web hat rasante Wissenszyklen und „Lerner des neuen Jahrtausends“ mit angeblich abweichenden Lernstilen hervorgebracht. In unserem Artikel nähern wir uns der aktuellen Jugend aber nicht, als wären sie Außerirdische, die in einer völlig anderen Weise lernen: Sie nutzen lediglich neue Methoden des Informationszugangs und der Sozialisierung und somit auch des Lernprozesses.
Während wir der Ansicht zustimmen, dass sich die Lernszenarien durch Technologien formell und hinsichtlich ihrer internen Organisation verändern, halten wir die These vom Entstehen eines neuen Lernkonzepts für fragwürdig. In diesem Sinn ist unser Artikel der Versuch einer Analyse, ob die zweifellos vorhandenen neuen sozialen Herausforderungen den Bedarf für eine neue Form des Lernens stimulieren und ob die bestehenden Theorien noch auf die aktuellen Lernrealitäten anwendbar sind. Zu diesem Zweck geben wir einen Überblick über die gesellschaftlichen Veränderungen, analysieren das e Learning-2.0-Konzept und skizzieren, wie die vorhandenen theoretischen Ansätze die Realität des Lernens erfassen. Spezielle Aufmerksamkeit haben wir dabei der Analyse des Charakters neuer Szenarien, etwa einer besonderen Art des vernetzten Lernens (ConnectLearning) auf der Grundlage von Konnektivismus, Konstruktivismus und situiertem Lernen, gewidmet.
Wir folgern, dass sich die Lernszenarien wandeln müssen, da die erforderliche theoretische Grundlage bereits seit zwei Jahrzehnten existiert und diskutiert wird. Beim vernetzten Lernen geht es nicht länger um ein neues Lernparadigma oder ein grundlegend neues Lernmodell, es zeigt vielmehr auf, wie ein konsolidiertes (auf innovativen Ideen und Bausteinen bereits existierender Lerntheorien basierendes) Konzept dazu beitragen kann, die Nachfrage nach „neuen“ selbst organisierten, lernerorientierten, situativen, emotionalen, sozialen und kommunikativen Lernszenarien befriedigen kann.